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Stanglwirt

Vernissage ...

... & Ausstellung von kuhfladis im Biohotel Stanglwirt in Going (November/Dezember 2008)

 

Kuhfladen sind nicht Scheiße ! Sie sind Dünger, Werkstoff, Mikrokosmos und eignen sich zur philosophischen Auseinandersetzung über Sein & Werden, über Wertigkeiten & das Bewußtsein für Natur schlechthin. Es war die Faszination für das Ding, die Lust, aus dem "Nichts" ein "Etwas" zu machen, und vor allem die Erkenntnis, dass sich in so einem „gemeinen“ Fladen mehr verbirgt, als es oberflächlich erscheint.

 

Er - der Fladen hat definitiv meine Phantasie angeregt. Dass er schön anzusehen sein kann, wußte ich bereits. Ich stand ja davor. Doch die vage Idee, gerade aus dem Teil ein Reiseandenken zu machen, erschien mir zunächst doch verwegen. Scheiße verkaufen! Voll daneben! Oder doch nicht? Wo er doch so ultracool aussah. Wohnzimmertauglich machen? Kein Problem! Urtypisch Tirolerisch? Klar! Das ist er! Ein Designerstück für die moderne Wohnung von heute? Das hat was! Voll durchgeknallt, aber sicher weniger beschissen als manch anderes Souvenir. Dazu noch authentisch!

 

So tat ich und zwei Freunde mit mir. Inzwischen sind Objekte entstanden, so wie hier an der Wand sehen. Es gibt Ideen für Einrichtungsgegenstände – an einem davon halte ich mich gerade fest - und fliegen könnte er auch noch! Was kommt noch? Mal sehen.

 

Um aber auf die gezeigten Arbeiten zurückzukommen:

 

Vor wenigen Tagen hatte ich Gelegenheit, mit jemanden lange über das Thema „Kunst“ zu sprechen, auch darüber, in welche Schublade ich wohl gesteckt werden könnte. Phuuu, ich weiß es leider bis heute nicht!

 

Was ist das also, was hier an der Wand hängt?

 

Kunst? Was ist das? Und wer bestimmt das? Eine schwierige und heikle Frage!

 

Land Art, Earthwork oder Natur-Kunst? Nein! Dazu müßte ich den Fladen ja im freien Felde liegen lassen.

 

Handwerk oder Kunsthandwerk? Hmmm, schwierig! Fladen sammeln und bearbeiten oder Fladen flechten sind noch kein Lehrberuf.

 

Noch weniger? Eine niedere Arbeit? Könnte sein! Man wuselt über die Wiese und bückt sich da und dort. Aber ein wenig know-how gehört dann doch auch dazu.

 

Also deshalb vielleicht ein freies Gewerbe? Als Gewerbewortlaut "Fladen sammeln und veredeln" ließe sich in die Liste der freien Gewerbe eintragen.

 

Oder ist es Design? Schwierig. Design ist Gestaltung / Formgebung und hat eine bestimmte technische Funktion. Nichts davon trifft auf diese Fladen zu.

 

Außer bei der Lampe natürlich! Dort wird er mit der Lampenfunktion zum Designer-Stück. Ebenso, wenn ich ihn in eine Tischplatte einbaue, wobei dort ist er eigentlich Dekoration.

 

Ist er Unkunst? Einfach gar nichts?

 

Ich weiß es noch nicht und es ist mir eigentlich egal. Denn seit ich den ersten Fladen aufgehoben habe, habe ich einfach der Kreativität ihren Lauf gelassen, habe intuitiv etwas mit ihm und aus ihm gemacht. Es ist ganz einfach passiert! Und warum?

 

Weil er mich fasziniert hat, weil er mich neugierig gemacht hat, weil er die Lust am Experimentieren geweckt hat und weil er für mich einfach eine enorme Symbolkraft hat.

 

Der erste Fladen war so schön, die späteren natürlich auch! Es war mir schade darum, ihn einfach verrotten zu lassen. Ich wollte ihn bewahren, so fangen, wie er war.

 

Ich sah die vielen Löcher – Zeugnisse von seiner lebendigen Vergangenheit. Einst ein fruchtbarer Mikrokosmos für Insekten und Larven, jetzt verlassen - wie so manche Menschenstadt.

 

Ich sah die verwaschenen Spuren des letzten Gewitters! Das trommelnde Aufklatschen der Tropfen auf seine Oberfläche, das Zerfließende matschige Etwas.

 

Ich sah den Hufabdruck der Kuh, das Gras, das sie fraß und wie sie einfach weitergegangen war.

 

Ich sah seine letzte Spur, überwuchert mit neuem Gras, seine Vergänglichkeit und das Neue, das aus ihm emporgewachsen war.

 

Und ich sah ein Leben und – bitte um Entschuldigung – auch die Scheiße! Und zwar die, die manchmal bei uns oder rund um uns passiert.

 

Ich sah auch ein Raster – das andere, und vielleicht doch immer gleiche, das immer Wiederkehrende – deshalb der Draht.

 

Und ich sah die Wertigkeit von scheinbar Wertlosem, die manchmal fehlende Wertschätzung für etwas Omnipräsentes, für das Sein, das Vergehen, die mancherorts geschundene Natur, die landwirtschaftliche Kulturarbeit oben am Berg - deshalb das Gold.

 

Freilich! Auch Dünger ist er, Heizmaterial, Hausverputz, ein Übel in der Landschaft, wenn man selbst reinsteigt. Es gibt ihn vom Hochland-Rind, vom Auerochsen und wenn nötig von Argentinischem Angus. Aber das wissen wir ja schon!

 

Zum Abschluss vielleicht noch ein kürzliches Erlebnis mit einem Besucher, der mich beim Werken beobachtete und sich fragte, was das da in der Mitte denn sei. Ich fragte ihn, was er denn denke. Seine Antwort: Ein Meteor! Darauf ich: Nein, ein Fladen, aber auch aus heiterem Himmel auf den Boden gefallen!

 

Sie sehen, das Thema "Kuhfladen" ist nicht ganz so leicht zu fassen, wie es am Anfang schien. Ich bin noch immer ein Suchender. Nun liegt es aber an Ihnen, sich als Seher zu betätigen, einzutauchen in die Welt des Fladens, Ihre Kreativität zu proben, nachzudenken und bei Ihrer nächsten Begegnung mit einem Fladen im freien Felde in ihm zu lesen.

 

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